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15.02.2012
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Realschüler und Behinderte der Lindenberger Lebenshilfe haben gemeinsam Sportunterricht

Wettrennen mit dem Rollstuhl

Realschüler und Behinderte der Lindenberger Lebenshilfe haben gemeinsam Sportunterricht

Am Ende bilden alle einen großen Kreis. Bunt gemischt, gerade so, wie sie dastehen. Schüler, Behinderte, Lehrer. Einige tragen Fußballtrikots vom FC Bayern oder der deutschen Nationalmannschaft. "Es war ein richtig tolles Miteinander", ruft Jochen Schnabel lächelnd in die Runde, ehe sich der Kreis wieder auflöst und 78 Hände lautstark applaudieren.

Zwei Schulstunden sind vorbei. 90 Minuten lang ist ein "Versuchsballon" (Schulleiter Walter Zwinger) durch diese abgetrennte Hälfte der Dreifachturnhalle geschwebt - und wenn es nach den Beteiligten geht, dann soll es nicht das letzte Mal gewesen sein.

Die Realschule Lindenberg und die Lebenshilfe haben sich zu einem interessanten Projekt zusammengefunden. Erstmals haben 22 Neuntklässler der Realschule gemeinsam mit 14 Erwachsenen der Lebenshilfe gemeinsam Sportunterricht durchgeführt.

"Unsere Schüler sollen eine Ebene kennenlernen, die sie bisher nicht kennen", sagt Schulleiter Walter Zwinger. Und Betreuer Jochen Schnabel von der Lebenshilfe, der früher selbst Schüler der Realschule war und das Projekt angestoßen hat, ergänzt: "Inklusion ist uns wichtig. Wir wollen schauen, dass unsere Behinderten möglichst viel mit Nichtbehinderten zusammenkommen."

Spricht man mit Lehrern und Betreuern, dann fallen Worte wie Sensibilisierung, Respekt und gegenseitiges Verständnis. Die Turnhalle soll die passende Umgebung dafür sein, den Umgang mit vermeintlich Schwächeren zu üben. "Solche Softskills spielen im Sportunterricht auch sonst eine wichtige Rolle.

Es gibt beispielsweise eine Note für Fairness und Kooperation", sagt Sportlehrer Oliver Weber, der gemeinsam mit Schnabel und Referendarin Sandra Mathes die Sportstunde vorbereitet und die einzelnen Spiele und Übungen ausgesucht hat.

Los geht es mit lockerem Aufwärmen zu Musik, die aus einem mitgebrachten Ghettoblaster kommt. Bereits hier erhalten die 36 Sportler kleine Aufgaben. Sie müssen beispielsweise als Gruppe die Buchstaben R und L formen.

Anfangs ist gerade bei den Neuntklässlern noch Scheu zu spüren, die sie aber nach und nach ablegen, während die Sportler der Lebenshilfe von der ersten Minute an mit Spaß und Feiereifer bei der Sache sind. Kein Wunder: Sie waren ja bereits eine Dreiviertelstunde vor Unterrichtsbeginn aufgewärmt in der Halle. Weiter geht es mit einem Parcours, in dem die nun zu Kleingruppen durchgemischten Unterrichtsteilnehmer gemeinsam Übungen lösen müssen.

So sind Behinderte und Nichtbehinderte mit einem Band am Knöchel aneinandergebunden und müssen gemeinsam so schnell wie möglich einen Hütchenwald durchqueren. An einer anderen Station ist Wettrennen mit dem Rollstuhl angesagt. Einer sitzt drin, einer schiebt.

"Da könnt’ ihr richtig Gas geben", ermuntert Schnabel die anfangs zaghaften Schüler - bis es plötzlich bei einem Rollstuhl den Reifen von der Felge zieht, weil es gar so flott um die Kurve gegangen ist. Kein Problem: Weber zieht den Reifen wieder auf und das Rennen kann weitergehen. Zum Abschluss rennen Schüler und Erwachsene gleichermaßen lachend, keuchend oder angestrengt kuckend beim Fangen umher - ehe der gemeinsame Kreis die Stunde beschließt.

Obwohl die 22 Schüler - ausschließlich Buben - laut Sportlehrer Weber "ins kalte Wasser geworfen" und absichtlich nicht auf den Besuch aus der Lebenshilfe vorbereitet worden sind, sind alle Beteiligten zufrieden. "Es war interessant, mal etwas Neues.

Hat Spaß gemacht", meint beispielsweise Kevin, der sich durchaus eine Wiederholung vorstellen kann. Und auch Frank, einer der Sportler der Lebenshilfe, haben die zwei Stunden sehr gut gefallen. "Bis jetzt kamen keine Klagen", meint er und grinst verschmitzt. Er würde gerne mal gegen einen der Schüler Tischtennis spielen - denn mit dem Schläger ist er ein echtes Ass und hat 2009 bei den Special Olympics hier in der Dreifachturnhalle den sechsten Platz belegt, wie er stolz erzählt.

Schulleiter Zwinger möchte den Kontakt zur Lebenshilfe "auf dem kurzen Dienstweg" aufrechterhalten.

Er kann sich vorstellen, dass Menschen mit Behinderung nicht nur zum Sportunterricht an die Realschule kommen, sondern auch ein Austausch in Kunst oder Musik stattfindet. Lebenshilfe-Betreuer Schnabel sieht das ähnlich: "Wir möchten gerne wiederkommen." Der Versuchsballon wird also bald wieder in die Luft gehen.

 

 

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