Krebspatienten verlieren mit der Schließung der Schlossbergklinik Oberstaufen Anlaufadresse
"Den Arzt hat mir der Himmel geschenkt"

Fast 25 Jahre saß Sepp Lau im Oberstaufener Marktgemeinderat, viele Jahre hat er als Mitinitiator der Krankenhausfeste für den Erhalt des Staufner Krankenhauses gekämpft. Derzeit kämpft er einen ganz persönlichen Kampf - jenen gegen den Krebs. Die Schlossbergklinik erlebt er dabei in ganz besonderer Weise: "Hier ist man keine Nummer, hier werde ich als Mensch behandelt", stellt Lau fest. Und: "Es war, als habe mir der Himmel den Arzt geschickt."
Nicht nur Sepp Lau fühlt sich in der Schlossbergklinik in jeder Hinsicht gut behandelt. Auch die anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe "Nach Krebs", zu der auch der 69-Jährige regelmäßig in die Schlossbergstube im ersten Stock der Klinik kommt, finden nur positive Worte über die Klinik und ihr Personal. "Nach Operationen in Augsburg und Lindenberg kam ich jeweils hierher. Hier wurde ich wieder auf die Beine gestellt. Sie haben mich aufgepäppelt", stellt Inge Kluger aus Stiefenhofen fest. Und Christel Bauer aus Oberstaufen betont, dass sie stets froh war, bekannte Ansprechpartner zu haben, "wenn da wieder etwas war, was beunruhigte".
Aus Sicht der 15 Mitglieder der Selbsthilfegruppe ist der Einsatz für den Erhalt der Klinik viel zu gering. "Wo sind unsere Abgeordneten? Wo ist die bayerische Krebsgesellschaft?", fragen sie sich. Sie finden es "depremierend, dass nur aufgrund der Wirtschaftlichkeit entschieden wird". Die meisten von ihnen waren Patienten hier, teilweise schon vor zehn und mehr Jahren. Sie haben einen Einblick in den Klinik-Alltag, der niemandem zu Wünschen ist, denn sie haben die Schlossbergklinik als Krebs-Patienten erlebt und damit in der schwersten Zeit ihres Lebens. "Ich glaube nicht, dass ich heute noch leben würde, wenn die Klinik nicht gewesen wäre", sagt Inge Kluger.
Die Kompetenz der Ansprechpartner beeindruckte und beruhigte: "Man konnte hier immer kommen und Fragen stellen, beispielsweise zu Nebenwirkungen von Medikamenten. Es war beruhigend, dass die Leute hier wissen, was sie tun", fasst Heidemarie Bechteler aus Kempten ihre Erfahrungen zusammen.
Leiterin der Selbsthilfegruppe ist seit sieben Jahren Hildegard Mohr aus Stiefenhofen. Entstanden ist die Gruppe vor zehn Jahren auf Initiative von Professor Gerhard Rauthe. Nicht jeder Patient ist am Austausch interessiert: "Ihr redet ja doch nur vom Krebs", werde häufig gesagt. Die Krankheit ist in der Tat häufig das Thema, weiß Hildegard Mohr. Aber es tue gut, darüber zu sprechen, denn: "Die Familien sind oft schon genug belastet".
Häufig kommen auch Ärzte vorbei, nutzen die Gelegenheit zum Gespräch, geben Hinweise und beantworten Fragen. Die Stimmung ist trotz der ernsten Krankheit locker: "Wir lachen viel", berichtet Mohr. Aber es kommt auch vor, dass schon beim nächsten Treffen ein Teilnehmer fehlt, der den Kampf gegen den Krebs verloren hat. "Aber wir wollen auch ein positives Beispiel sein für jene, die akut erkrankt sind", sagt Mohr. So wurde eine Teilnehmerin vor 24 Jahren operiert - und ist seither gesund.
Jetzt gab Sepp Lau Anlass zur Freude in der Gruppe, zu der sich überwiegend Frauen zwischen 42 und 80 Jahren treffen: "Gut siehst du aus", stellen sie fest. "Ja, das neue Medikament ist sehr gut. Das hat mir der Stationsarzt hier aus der Schlossbergklinik verschrieben. Ein ganz neues Präparat. Aber er hat es schon gekannt", sagt Lau.
Termin: Die Selbsthilfegruppe "Nach Krebs" trifft sich immer am zweiten Donnerstag im Monat um 15 Uhr im ersten Stock der Schlossbergklinik Oberstaufen. Nächster Termin: 8. März. Näheres bei Hildegard Mohr unter Telefon (0 83 83) 76 42.
Hildegard Mohr
Hier die Stellungnahme vom 26.01.2012
Zur geplanten Schließung der Schlossbergklinik Oberstaufen
Bayerische Krebsgesellschaft e.V. befürchtet schlechtere
Versorgung von Krebspatienten im Allgäu
Die Bayerische Krebsgesellschaft e.V. nimmt die für September 2012 angekündigte
Schließung der HELIOS Schlossbergklinik Oberstaufen mit Besorgnis zur Kenntnis.
„Die Schließung der Klinik reißt eine große Lücke in die onkologische Versorgung
von Krebspatienten in der gesamten südwestlichen Region Bayerns und darüber
hinaus. Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, sich für den Erhalt der
Schlossbergklinik einzusetzen“, so Prof. Günter Schlimok, Präsident der Bayerischen
Krebsgesellschaft e.V.
Besorgte Krebspatienten melden sich seit Bekanntgabe der Schließung bei der
Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. und in deren Psychosozialen
Krebsberatungsstellen in Kempten und Augsburg. Sie fühlen sich in der Klinik gut
betreut und befürchten, dass sie in Zukunft keine angemessene Behandlung mehr in
ihrer Nähe finden werden und lange Anfahrten oder Wartezeiten in Kauf nehmen
müssen. Das ist vor allem ein Problem für Krebspatienten, die eine längere, intensive
medizinische und pflegerische Betreuung benötigen.
„Die Krebsberatungsstellen Kempten und Augsburg verlieren einen wichtigen
Kooperationspartner im Allgäu, an den guten Gewissens Klienten verwiesen werden
konnten. Die Klinik begleitet Krebspatienten auf einem hohen fachlichen Niveau.
Ärzte, Sozialarbeiter und Psychoonkologen unterstützen über ihre Kliniktätigkeit
hinaus Krebspatienten und Selbsthilfegruppen aus ganz Schwaben“, bestätigen Dr.
Michael Pindl, Leiter der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Kempten und
Waltraud Kohl-Orlowski, Mitarbeiterin der Psychosozialen Krebsberatungsstelle
Augsburg.
Die Schlossbergklinik ist eine wichtige akutstationär-onkologische Einrichtung in den
Landkreisen Oberallgäu und Lindau. Sie stellt die ambulante onkologische
Versorgung von Krebspatienten in dieser Region sicher. Schwerpunkte der
Behandlung sind die Supportiv- und die Palliativtherapie von schwerstkranken
Krebspatienten sowie die onkologische Rehabilitation. Mit jeweils 120 Betten für
akutstationäre onkologische Behandlungen und für Rehabilitationsmaßnahmen ist
die Klinik eine der größten onkologischen Fachkliniken in Süddeutschland.
„Um eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit zu verhindern, werden regelmäßig Patienten
von den Universitätskliniken in München, dem Klinikum Augsburg und umliegenden
Krankenhäusern zur Behandlung nach Oberstaufen verlegt. Nur wenige Kliniken in
Bayern nehmen diese spezifische Aufgabe wahr“, betont Prof. Thomas Licht,
Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Medizinische Onkologie an der
Schlossbergklinik Oberstaufen.
Aber nicht nur das: Die Schlossbergklinik ist Mitglied in den Tumorzentren München
und Augsburg. Sie führt als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität
München regelmäßig Weiterbildungen für Ärzte und medizinisches Pflegepersonal
durch und übernimmt damit eine wichtige Aufgabe in der onkologischen Fortbildung.
Dieses besondere, überregionale Leistungsspektrum kann so nicht von anderen
Kliniken übernommen werden.
Hintergrund der geplanten Schließung: Bereits 2011 sind in der HELIOS
Schlossbergklinik Oberstaufen wirtschaftliche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit
einer Umstellung des Abrechnungsverfahrens aufgetreten. Da die aufwendige und
oft langwierige Supportivtherapie im Abrechnungssystem der DRG-Fallpauschalen
nicht adäquat vergütet wird, wurden die Behandlungen in einer Sondervereinbarung
mit den Krankenkassen nach Tagessätzen verrechnet. Diese Möglichkeit fällt in der Zukunft weg.
Bayerische Krebsgesellschaft e.V.:
Cornelia Gilbert M.A., Pressereferentin, Tel. 089-54 88 40 –45, Email: gilbert@bayerischekrebsgesellschaft.
de, Nymphenburger Straße 21 a, 80335 München,
www.bayerische-krebsgesellschaft.de





