Statiker Markus Berkmann untersucht das Bahnhofsgebäude in Weiler
Dach in Ordnung - Massive Risse im Mauerwerk

Oben gut, unten schlecht - so beurteilt Statiker Markus Berkmann (Weiler) den baulichen Zustand des alten Bahnhofsgebäudes in Weiler. Er hatte das Ende 1893 eingeweihten Haus im Ortskern im Auftrag der Gemeinde untersucht. Seine Erkenntnisse stellte er dem Gemeinderat des Marktes vor.
"Wir wollen aufgezeigt wissen, wo die Problempunkte liegen, falls wir sanieren würden, und wie hoch die Kosten sind", sagte Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph eingangs.Das Bahnhofsgebäude lässt sich in zwei Teile gliedern: Ober- und Dachgeschoss sind überwiegend aus Holz, Erd- und Kellergeschoss des außen mit Muschelkalk verkleideten Hauses bestehen aus Mauerwerk.
Den oberen Gebäudeteil stuft Berkmann als gar nicht einmal schlecht ein. "Das Dach in seiner jetzigen Form ist tragfähig - aber nur, wenn wir hier Bestandsschutz hätten", sagte er. Die Holzwände seien etwa 12 bis 17 cm dick, die Deckenbalken zwischen 17 und 26 cm - und "mehr als in Ordnung". Die Decken könnte man durchaus mit einem Gewicht von 500 kg belasten, schätzt Berkmann.
Als problematisch stuft er das Mauerwerk ein. Mehr als ein halbes Dutzend massiver Risse hat er gezählt. Als Ursache vermutet der Statiker entweder schlechten Baugrund oder ein kaputtes Fundament.
Um das Wurzel allen Übels aber wirklich ausmachen zu können, sei ein Baugrundgutachten notwendig, so der Fachmann, der Frostschäden als Ursache für die Risse ausschließt.
Die Gemeinderäte wollten wissen, mit welchen Kosten für weitergehende Maßnahmen sie zu rechnen hätten. Berkmann gab an, dass eine Sanierung seiner Schätzung nach etwa 20 Prozent teurer wäre als ein Neubau.
Ergänzend dazu lieferte Bautechniker Helmut Merath eine Summe: Auf etwa 600 000 Euro schätzt er eine Komplettsanierung, woraufhin Berkmann meinte, dass das wohl nicht reichen würde. Laut seiner Umrechnung (300 Euro pro Kubikmeter) läge die Summe bei 750 000 bis 900 000 Euro.
Falls der Baugrund oder das Fundament komplett schlecht wären, würden die Maßnahmen sogar noch teurer.
Unterschiedlich sind die Meinungen innerhalb des Gremiums: Als "Fass ohne Boden" bezeichnete Martin Lau den Bahnhof angesichts der zu erwartenden Kosten.
"Niederreißen und neu bauen" lautet der Vorschlag von Bruno Bernhard, dem ein "neues Gebäude aus alter Substanz mit neuer Ansicht" vorschwebt. Xaver Fink ist "aus geschichtlichen Gründen für den Erhalt des Bahnhofes".
Nächsten Montag wird der Bauausschuss den Bahnhof besichtigen. Zudem wird die Verwaltung ein 2000 Euro teures Baugutachten ausschreiben, das sowohl bei einer Sanierung als auch bei einem Neubau notwendig wäre. Danach wollen die Räte ein Stück weit schlauer sein, was mit dem Bahnhof geschehen soll.





